Moby D._Eine Männermelancholie
Intermediales Musiktheater für einen Schauspieler, einen Blockflötisten und Lautsprecherorchester nach Hermann Melvilles Roman «Moby Dick».
Ein Hör- und Seestück mit Seemannsliedern und Katastrophenklängen
Gare du Nord. Bahnhof für Neue Musik, Basel, Societätstheater Dresden, Theater im Delphi, Berlin, 2016



Regie, Texte: Therese Schmidt
Komposition, Texte: Wolfgang Heiniger
Ishmail: Tom Quaas (Performance)
Queequeg: Jeremias Schwarzer (Flöten)
Klangregie Lautsprecherorchester: Gary Berger
Bühne/Kostüme: Juan Léon
Moby_D setzt nach dem Ende des Romans ein und erzählt die fiktive Geschichte des überlebenden Ishmael, dem Schwätzer und Zuschauer, nach dem apokalyptischen Scheitern des Rachefeldzuges: Seine Schlachten sind geschlagen, seine Wale erlegt.
Ishmael behauptet sich als allwissender „Prothesengott“ im Sinne Freuds als Herrscher der Maschinen (dem Lautsprecherorchester), doch lässt sich das Archiv seiner Erinnerungen nicht manipulieren. Erinnerung kann trügen- zumal in einem Leben, das nichts Heroisches und Siegreiches (mehr) hat. Und langsam wird klar, dass sich die Geschichte vielleicht auch ganz anders zugetragen hat, als sie der Roman erzählt.
Moby_D und sein Protagonist Ismael sind eine politische Allegorie auf den deutschen Wutbürger, der verloren in den Schlachten der Vergangenheit seinen Lebenslügen zu entkommen sucht. Ihm gegenüber steht Quiqueeq als blockflötender Kannibale, der der medialen Geschwätzigkeit Ishmaels und des Lautsprecherorchesters seine Suche nach dem Klang entgegensetzt.
So wie Ishmael durch seine Erinnerungen, so schlittert die Musik durch die unterschiedlichsten Stile und Genres und findet sich irgendwo zwischen Seemannsliedern, Elektro und Avantgarde. Und der Kannibale spielt dazu Blockflöte.